EIGENE AUSWERTUNG · STAND 20.10.2026

Funktionieren Insider-Käufe wirklich? Wir haben 301.904 nachgerechnet.

Über Insider-Käufe wird viel behauptet und wenig gemessen. Also haben wir es gemessen: 301.904 Käufe am freien Markt aus den amtlichen Form-4-Meldungen der US-Börsenaufsicht, 2016 bis 2026, 8.319 Aktien. Dazu Tageskurse, ein Gegentest und eine strikte Trennung in Such- und Testzeitraum.

Das Ergebnis ist unbequem: Fast alles, was man über Insider-Käufe liest, hält der Prüfung nicht stand. Ein Muster schon – und es ist nicht das, mit dem geworben wird.

Das Ergebnis in einem Satz

Ein Insider-Kauf ist dann ein Signal, wenn die Aktie liquide ist und schon läuft: mindestens +10 % in den 20 Handelstagen vor der Meldung. Solche Fälle brachten über 20 Handelstage +2,11 % gegenüber dem S&P 500 nach Kosten. Dieselben Tage, derselbe Filter, aber ohne Insider-Kauf: −0,62 %.

Wie wir gerechnet haben

Die Methode entscheidet über das Ergebnis. Deshalb steht sie hier vollständig:

Die Falle, die fast alles gekippt hätte

Der erste Durchlauf sah sensationell aus: CEO-Käufe +45,9 %, große Käufe +59,7 %. Nur passte der Median nicht dazu – er lag im Minus, die Trefferquote bei 43 %. Die Erklärung:

AktieÜberrendite 20 TageTagesumsatz der Aktie
ETST+129.895 %4.634 $
AIVN+6.572 %461 $
IGSC+5.042 %149 $

Das sind Pennystock-Hüllen mit ein paar hundert Dollar Tagesumsatz. Dort kann niemand kaufen – eine einzige Order bewegt den Kurs um Prozente. 318 von 73.125 Ereignissen, also 0,43 %, trugen den gesamten positiven Durchschnitt. Ohne sie war er negativ.

Deshalb gilt für alles Weitere ein Mindestmaß an Handelbarkeit: 1 Million Dollar mittlerer Tagesumsatz. Das ist der Unterschied zwischen einer schönen Zahl und einer brauchbaren.

Was nicht funktioniert

Alle Werte in handelbaren Aktien, 20 Handelstage, nach Kosten, gegen den S&P 500:

Beliebtes MusterGemessenUrteil
Irgendein Insider kauft+0,11 %wertlos
Cluster-Kauf – mehrere Insider derselben Firma+0,26 %wertlos
Der CEO kauft+0,34 %wertlos
Großer Betrag – über 1 Mio. $ (nach 60 Tagen)−2,08 %schadet
Insider kauft in den fallenden Kurs−0,34 %im Test gescheitert
Gewohnheitskäufer aussortieren+2,23 %kein Mehrwert

Besonders bemerkenswert: Der Kauf in die Schwäche – ein Insider greift zu, während die Aktie fällt – sah im Suchzeitraum mit +7,65 % nach dem besten Fund von allen aus. Im Testzeitraum brach er vollständig zusammen. Genau dafür ist die Zweiteilung da.

Was funktioniert

Die Regel: Kauf am freien Markt + Aktie liquide (≥ 1 Mio. $ Tagesumsatz) + Aktie ist in den 20 Handelstagen davor schon ≥ +10 % gestiegen.

Einstieg zur Eröffnung am Tag nach der Meldung, 20 Handelstage halten.

Ø je TradeMedianTrefferquoteFälle
Mit Insider-Kauf+2,11 %−0,63 %47,5 %5.879
Ohne Insider – gleiche Tage, gleicher Filter−0,62 %−1,70 %43,3 %29.105

Der Unterschied beträgt +2,74 Prozentpunkte, das Vertrauensband reicht von +2,10 bis +3,41 – vollständig über null. Und er ist in allen elf Jahren positiv, auch 2019, 2022 und 2024, als beide Gruppen absolut im Minus lagen.

Das ist der entscheidende Punkt: Eine Aktie, die schon gestiegen ist, schlägt den Index nicht von allein. Die Kontrollgruppe verdient nichts. Der gesamte Vorteil hängt am Insider.

Je größer der Vorlauf, desto stärker

Vorlauf der Aktie (20 Tage)Ø je Trade
≥ +5 %+1,22 %
≥ +10 %+2,11 %
≥ +20 %+3,82 %
≥ +30 %+5,20 %

Dieser gleichmäßige Anstieg ist das beste Zeichen dafür, dass es kein Zufallsfund ist. Zufällige Muster verhalten sich nicht so ordentlich.

Eine Verstärkung hält ebenfalls: die Bilanz der Person

Wenn die kaufende Person mit ihren früheren Käufen im Schnitt besser als +3 % lag, steigt das Ergebnis deutlich – und zwar in beiden Zeiträumen:

Suche 2016–22Test 2023–26Trefferquote (Test)
Grundregel+2,10 %+2,26 %45,6 %
+ Person lag bisher gut+4,62 %+4,45 %53,5 %

Hier wird der Median positiv und die Trefferquote steigt über 50 %. Das ändert den Charakter: Nun gewinnt die Mehrheit der Trades, nicht nur eine Minderheit mit großen Ausreißern. Ehrlich dazu: Im Testzeitraum liefen auch Insider mit schlechter Bilanz positiv. Die Regel heißt also gute Bilanz = Bonus, nicht „schlechte Bilanz = meiden“.

Was dagegen spricht

Diese Punkte gehören dazu, auch wenn sie das Ergebnis schwächen:

Warum wir das veröffentlichen

Weil wir vorher dasselbe behauptet haben wie alle anderen. Auf unserer eigenen Insider-Seite stand, Cluster-Käufe seien „das verlässlichste Insider-Muster“. Die Messung sagt: +0,26 %. Das haben wir geändert.

Dieselbe Prüfung haben wir auf unser eigenes Chartmuster angewendet – mit einem negativen Ergebnis, das ebenfalls veröffentlicht ist: Chartmuster im Backtest.

Die laufenden Treffer nach genau dieser Regel stehen im Insider-Radar unter „Geprüfte Treffer“.

Quelle der Rohdaten: SEC, Insider Transactions Data Sets (Form 3/4/5), 2016–2026. Kursdaten: Tagesschlusskurse, split- und dividendenbereinigt. Vergangene Messungen sind keine Garantie für die Zukunft. Dies ist keine Anlageberatung.